Terrapene ornata ornata (AGASSIZ 1857) -
Schmuck-Dosenschildkröte
Diese Dosenschildkrötenart gehört zu den
schönsten und
agilsten aber leider auch zu den heikelsten und bedarf erfahrener
Hände.
Beschreibung:
Der dunkelbraune, meist fast schwarze Carapax ist deutlich
flacher als bei den anderen Terrapene Arten und deutlich zu
unterscheiden. Er besitzt eine attraktive gelbe Strahlenzeichnung,
ebenso das Plastron. Kopf und Gliedmaßen sind hell, oftmals auch
gelb bis orange oder sogar Rot gefleckt. Besonders begehrt sind
Männchen mit der sehr seltenen Blau-Färbung am Kopf.
Ausbildung der Hinterextremitäten (keine Schwimmhäute),
Geschlechtlich divergierende Farbe der Iris und
Geschlechterunterscheidung wie bei den anderen Terrapene-Arten
beschrieben.
Der Carapax erreicht eine Größe von 10,2 cm bis selten
über 14 cm.
Vorkommen:
USA, Süd-Ost Arizona bis Süd Wisconsin, Indiana und Louisiana
und Mexiko, Nord-Ost Sonora und Nord-Chihuahua.
Lebensraum:
Diese Terrapene-Art hat sich von der sonst üblichen Lebensweise
(feucht-warm, Gewässernähe) der Dosenschildkröten am
weitesten entfernt. Sie ist kaum an feuchte Regionen gebunden, sie
bevorzugt steppenartige, halbtrockene Prärie- und Graslandschaften
und ist gut an wechselnde Klimaverhältnisse angepasst. Lediglich
mit den mitunter feucht-kühlen Sommertagen des
mitteleuropäischen Klimas kommt sie nicht zurecht und darin liegt
u.a. das Problem in ihrer Haltung, worauf im Haltungsteil noch
näher eingegangen wird.
Lebensweise:
Auch diese Art ist überwiegend morgens und abends aktiv.
Während der Tageshitze werden gerne Erdhöhlen oder andere
Verstecke aufgesucht. In der Erde halten sie auch ihre Winterruhe. Auch
sie ernähren sich stark carnivor, aufgrund des trockeneren
Lebensraumes jedoch etwas stärker als die Terrapene-Arten des
Carolina Komplexes. Sukkulenten und Früchte von Kakteen werden
gerne gefressen, ansonsten alles, was sie bewältigen können.
Diese Art gehört zu meiner Lieblingsterrapene, da sie aufgrund des
deutlich kargeren Beutespektrums in ihrem Lebensraum wesentlich agiler
und aggressiver auf die Jagd geht. Meine Tiere scheuen nicht davor
zurück, im "Rudel" adulte Futter-Mäuse in einem ungeahnten
Tempo gezielt in die Ecke zu drängen und zu erlegen! (Aus
Tierschutzgründen verfüttere ich natürlich nur
abgetötete Mäuse, lediglich zu Versuchszwecken habe ich diese
Jagd im Freigehege einmalig gestattet und die Maus rechtzeitig
erlöst).
Sie werden von meinen Terrapene mit am zutraulichsten und können
ihrem Pfleger bei Handlungen im Terrarium (aber auch im Freigehege) arg
lästig auf den Leib rücken, so dass man immer auf seine
Finger achten muss! Keine meiner Bewegungen im Terrarien-Zimmer entgeht
ihren Raubvogel-Blicken und sie beobachten genau, ob ich die Dose mit
Grillen oder Zophobas hervorhole und nur dann kommen sie gierig an die
Scheibe gestürmt.
Haltung/Zucht:
Diese Art gilt leider als etwas heikel, wobei sie bei Beachtung einiger
Grundregeln sehr pflegeleicht wäre. Grundsätzlich ist diese
Art im geräumigen Terrarium mit Badegelegenheit zu halten und nur
an warmen Sommertagen kommt sie bei mir ins Freigehege. Bei
Schönwetterperioden im Sommer darf sie auch Nachts draußen
bleiben, ansonsten kommt sie an regnerischen Wetterphasen wieder ins
Terrarium. Dies ist sehr wichtig, denn kühle Feuchtigkeit
quittieren diese Tiere sofort mit geschwollenen Augen und einer
laufenden Nase, sprich Atemwegsinfekten. Fast alle Halter, die ich
kenne und die ihre Tiere gedankenlos den ganzen Sommer im Freiland
hielten, klagten über Verluste, oftmals erst nach einigen Jahren
erfolgreicher Haltung und sogar Nachzucht, aber ein verregneter Sommer
genügte, um dieses Trugbild aufzuzeigen und einige meiner Tiere
stammen aus solchen Haltungen, in denen der Geschlechtspartner
"plötzlich und unerwartet" einging und das verbliebene Tier dann
abgegeben wurde. Auch ich hatte zu Beginn diese Probleme, bis ich meine
Haltung konsequent "nach dem Wetterbericht" ausrichtete und die Tiere
nun sofort zu Beginn einer Schlechtwetterperiode hereinhole und Infekte
seitdem ausbleiben.
Die Temperaturen sollten tagsüber über 25°C liegen und
die Gelegenheit zum Sonnenbad bei 40°C muss regelmäßig
gegeben sein, wie gesagt, im Freigehege im natürlichen
Sonnenlicht, oder im Terrarium mittels geeigneter Strahler (z.B. HQI).
Nachtabsenkung auf unter 20°C ist ebenfalls wichtig.
Das Problem ist nun, bei ausschließlicher Haltung im Terrarium
gedeihen die Tiere auch nicht vorteilhaft, es kommt zu unschönem,
meist zu flachem Panzerwachstum und anderen Mangelerscheinungen. Da die
Tiere aber wie gesagt sehr zahm werden, reagieren sie auf das
häufige Umsetzen von Terrarium/Freilandanlage sehr gelassen und
werden nicht wie die z.B. stressanfälligeren europ. LSK dadurch
beeinträchtigt. Futter wie bei den anderen Terrapene beschrieben,
bei adulten Tieren unbedingt drei Fastentage pro Woche einlegen,
tragende Weibchen ausgenommen, ihnen ist auch zerkleinerte Sepiaschale
anzubieten (gilt für alle Terrapene). Winterruhe ist notwendig,
diese ist wie bei den anderen Terrapene-Arten durchzuführen.
Die Paarung ist etwas ruppiger und findet ebenfalls von Frühjahr
bis Herbst statt. Besonders stimulierend wirkt bei meinen Tieren das
Einsetzen ins Freigehege bei Sonnenschein. Eiablage ebenfalls in den
Abendstunden, es werden 2-6 Eier gelegt, aus denen nach ca. 61 Tagen
dann der Schlupf erfolgt. Inkubation nicht ganz so feucht, die Aufzucht
ist etwas schwieriger und nicht wenige Babies überleben die ersten
Wochen nicht. Man sollte deshalb beim Kauf auf mindestens
halbjährige, stabilere Tiere bestehen.
Text und Bilder von Jens Lindner (Homepage) .
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