Terrapene carolina carolina (LINNAEUS, 1758)
Die Dosenschildkröten waren noch in den 70er Jahren
seltene
Raritäten, bis das Einfuhrverbot für die Griechischen
Landschildkröten eingeführt wurde. Ab dann wurde als "Ersatz"
die Dosenschildkröte als Landschildkröte importiert, was
natürlich nicht gut gehen konnte, da sich die Lebensbedingungen
total unterscheiden und bald waren die Terrapene als heikel und
hinfällig verschrieen. Die nächste Änderung trat nach
Einführung der restriktiven Schutzbestimmungen (Anfang der 90er
Jahre) in den USA ein; plötzlich waren die meist
farbenprächtigen Reptilien wieder begehrte Raritäten
geworden, auf deren spezielle Haltungsbedingungen sich nur wenige
Halter eingestellt hatten, so dass die Nachfrage heute nicht gedeckt
werden kann.
Beschreibung:
Der Carapax ist bräunlich bis hornfarben und meist mit
sehr variablen gelben bis orange Flecken, Strahlenmustern, Tupfern und
Strichen versehen und erreicht eine Länge von 12 bis 16,5 cm. Das
größte je gefundene Exemplar maß 21,6 cm, dies ist
jedoch eine seltene Ausnahme.
Das Plastron ist hell- bis dunkelbraun, oft mit dunklen Tupfen, Flecken
oder Strahlenmuster gezeichnet, an den Vorderbeinen und am Kopf findet
man gelbe, rote und orange Flecken, besonders männliche Tiere
können sehr attraktiv gefärbt sein und gehören wie die
Unterart Terrapene carolina triunguis zu den farbenprächtigsten
Sumpfschildkröten. An den Hinterfüßen befinden sich in
der Regel vier Zehen. Plastron des Männchens ist zumeist nur
schwach bis nicht konkav gewölbt. Die Männchen besitzen
derbere, kräftige Hinterklauen, zum Einhaken in den weiblichen
Plastron bei der Paarung.
Männchen haben einen kräftigeren und längeren Schwanz.
Die Iris ist oft bei Männchen rot gefärbt, bei Weibchen gelb
oder dunkel. Dies ist aber trotz manchmal gegenteiliger Behauptung,
oder in vielen Büchern dargelegt, kein sicheres
Unterscheidungsmerkmal.
Wie der Trivialname schon sagt, kann der Panzer komplett mittels
Scharnier am Kopf- und Schwanzende bei Gefahr verschlossen werden. In
menschlicher Obhut kommt dies aber so gut wie nie vor,
selbstaufgezogene Nachzuchten gehören zu den zahmsten und
neugierigsten Reptilien überhaupt.
Vorkommen:
USA, südliches Maine südwärts bis Süd-Georgia und
Nord-Alabama, westwärts bis Zentral-Michigan und
Süd-Wisconsin, ab hier südwärts bis Süd-Illinois,
Kentucky, Tennessee und Nord-Ost-Mississippi. Einige isolierte Funde
wurden in New York und dem Westen Kansas bekannt. Da sie ein beliebtes
Haustier in den USA ist, sind die Funde auf z.B. Hawaii, Guam und
Kalifornien mit Sicherheit eingeschleppt.
Lebensraum:
Waldränder und lichte Wälder, Wiesen, Feuchtwiesen,
Sumpfgebiete, entlang von Bächen und Gräben.
Lebensweise:
Die Tiere nutzen die morgendliche und abendliche Kühle
(und höhere Luftfeuchte), um auf Jagd zu gehen und für andere
Aktivitäten. Sie sind ungeschickte Schwimmer (keine
Schwimmhäute) und laufen auf dem Grund von Gewässern, kommen
aber auch mit tiefen Gewässern gut zurecht. Sie sind
Individualisten, jedes Tier hat eigene, charakteristische
Lebensgewohnheiten und Lebensräume. Einige befinden sich z.B. fast
nur im Wasser, während andere es nie aufsuchen.
Sie lieben warme Sommerregen, da dann zahlreiche Beutetiere zu finden
sind. Sie sind eifrige und geschickte Jäger, die sich von allen
Arten von Insekten und sonstigen Wirbellosen, bis hin zu Wirbeltieren,
wie jungen Mäusen, oder sogar jungen Schlangen ernähren. Sie
machen auf alles Jagd, was sie überwältigen können. Aber
auch pflanzliche Kost gehört zu ihrem Speiseplan dazu, so fressen
sie im Herbst gerne Unmengen von Pilzen, auch giftige und sie lagern
dieses Gift in ihrem Fettgewebe ein, so dass sie selbst giftig werden.
Ich habe die Theorie, dass ihre auffällige Färbung in
gewisser Weise schon eine Warnfärbung für Fressfeinde
darstellt, oder zumindest einen evolutionären Schritt in diese
Richtung.
Wie oft in der Tierwelt zu beobachten, gehören die Beutegreifer
unter den Tieren eher zu den intelligenteren, da sie in der Lage sein
müssen, gewisse Taktiken und Maßnahmen zu ergreifen, um eine
Beute zu erjagen, während das Futter der Pflanzenfresser nicht
wegläuft. Dies dürfte der Grund dafür sein, das
Terrapene zu den faszinierensten Schildkröten überhaupt
gehören, da sie sehr zahm werden, sehr aktiv und
außergewöhnlich flink sind und fast eine persönliche
Beziehung zum Pfleger aufbauen. Darüber hinaus bestechen sie durch
ihre starke Individualität, jedes Tier ist eine ganz eigene
Persönlichkeit mit eigenen Vorlieben, was allgemeine
Haltungsrichtlinien natürlich etwas erschwert und ein wenig
Fingerspitzengefühle beim Halter voraussetzt...
Terrapene sind deshalb für Anfänger wenig geeignet und sie
sind vor allem keine Landschildkröte für die Gartenhaltung,
ohne geeignete Schutzmassnahmen. Sehr schnell kommt es sonst zu
Infekten, besonders für Ohrabszesse und Konjunktividen ist
Terrapene sehr anfällig!
Haltung/Zucht:
Die Art benötigt im Sommer zwingend einen Freilandaufenthalt, mit
entsprechenden technischen Hilfen, um die im Vergleich zu den
südlichen USA zu kühlen Sommer in Deutschland auszugleichen.
In der Übergangszeit und zur Winterruhe ist dann eine
geräumige Terrarienhaltung zu gewährleisten. Unbedingt
gehört zur Grundausstattung eine Badegelegenheit und
Versteckmöglichkeiten. Als Untergrund empfiehlt sich stets feucht
zu haltende Pinienborke oder ähnliche Rindenprodukte (z.B.
REPTIBARK u.ä.) auch feuchtes Kokossubstrat ist gut geeignet,
verschmutzt aber das Badebecken stärker.
Temperaturen im Sommer tagsüber stets über 23°C. Die
weitere Einrichtung ergibt sich aus der Beschreibung des Lebensraumes.
Tägliches, warmes Übersprühen lieben die Tiere.
Fütterung ist absolut unproblematisch, gefressen wird eigentlich
alles, so dass man eigentlich nur schädliches von geeignetem
unterscheiden und die Menge regulieren muss. Als besonders geeignet
haben sich Schildkrötenpudding, Zophobas, Grillen und Heimchen und
besonders nestjunge Mäuse erwiesen. Dazu gehören
Löwenzahn, Rucola, Salat, diverse Wildkräuter, seltener Obst
und Pilze. Besonders bei Mäusebabies geraten die Terrapene in
einen regelrechten Jagd- und Blutrausch und man muss sehr aufpassen,
dass jedes Tier seine Portion bekommt und sich nicht gegenseitig
verletzt!
Bei dieser Haltung schreiten die Tiere dann recht leicht zur
Fortpflanzung Paarungen finden von Frühjahr bis Herbst statt und
manche Männchen muss man von den Weibchen trennen, da sie zu stark
bedrängen. Von Mai bis Anfang August ist Eiablage-Zeit, es sind
bis zu sechs Eiablagen möglich. Nach etwa 65 bis 70 Tagen (je nach
Temperatur) schlüpfen die 24-26 mm großen Jungtiere. Diese
fressen bald kleine Insekten. Die Inkubation bereitet leider auch heute
noch die größte Herausforderung bei der Haltung in
menschlicher Obhut. Das Problem liegt offensichtlich in der Substrat-
und Luftfeuchtigkeit während der Inkubation.
Text und Bilder von Jens Lindner (Homepage) .
Keine unerlaubte
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